Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Juni, 2026 angezeigt.

Was an Theaterproben WIRKLICH gemeint wird

Theaterproben sind faszinierend. Nicht nur wegen der Kunst. Sondern vor allem wegen der Sprache. Denn kaum irgendwo sonst schaffen es Menschen, völlig harmlose Sätze in emotionale Katastrophen zu verwandeln. Hier ein kleiner Übersetzungskurs aus dem echten Probenalltag. Regisseur: „Das war interessant.“ Bedeutet: Das war grauenhaft, aber ich suche noch nach einer diplomatischen Formulierung. Schauspielerin: „Ich probiere da einfach mal etwas aus.“ Bedeutet: Ich mache jetzt exakt das Gegenteil von dem, was gestern besprochen wurde. Schauspieler: „Ich brauche einfach noch etwas Sicherheit.“ Bedeutet: Ich kenne weder Text noch Auftritt noch Ausgang. Regie: „Etwas weniger.“ Der klassische Theater-Satz. Problem: Niemand weiss, wovon weniger. Weniger Emotion? Weniger Lautstärke? Weniger Arme? Weniger Existenz? „Mach es natürlicher.“ Der wohl gefährlichste Satz überhaupt. Denn danach spielen plötzlich alle so, als würden sie eine Steuererklärung spielen. „Du darfst grösser spielen.“ Das hören...

Warum jede Figur etwas wollen muss

Es gibt Figuren, die betreten eine Bühne — und sofort passiert etwas. Und dann gibt es Figuren, die betreten eine Bühne — und man denkt: „Aha. Da steht jetzt jemand.“ Der Unterschied ist fast immer derselbe: Die gute Figur will etwas. Die langweilige wartet. Theater lebt nicht von Anwesenheit Eine Figur darf noch so originell gekleidet sein. Sie darf einen lustigen Dialekt haben, einen Schnauz, einen Rollkoffer oder einen emotionalen Wellensittich. Wenn sie nichts will, passiert dramaturgisch… nichts. Denn Handlung entsteht aus Wunsch. Oder noch besser: aus dem Versuch, einen Wunsch durchzusetzen. Was will die Figur? Und nein: „Sie möchte glücklich sein“ reicht nicht. Das ist zu allgemein. Eine Figur braucht etwas Konkretes: die Wohnung bekommen die Wahrheit verheimlichen geliebt werden die Kontrolle behalten Geld auftreiben nicht auffliegen endlich ernst genommen werden den Hund zurückholen die Scheidung verhindern den Nachbarn loswerden den letzten Nussg...

Wie findet man das geeignetste Theaterstück?

Die Suche nach dem perfekten Theaterstück ist ein bisschen wie Online-Dating. Auf dem Papier klingt alles fantastisch — und nach der ersten Probe merkt man: „Oh. Das wird schwierig.“ Damit aus der Premiere keine gruppentherapeutische Krisensitzung wird, lohnt es sich, bei der Stückwahl ein paar Dinge ehrlich anzuschauen. 1. Die wichtigste Frage zuerst: Wer spielt überhaupt mit? Nicht: „Was würden wir gern spielen?“ Sondern: „Wer steht tatsächlich jede Vorstellung auf der Bühne?“ Denn zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft: drei Grippefälle, zwei Ferienabwesenheiten, ein beleidigter Souffleur und ein Hauptdarsteller, der plötzlich lieber Wohnmobile restauriert. Darum: Wie viele Frauen und Männer habt ihr? Welche Altersgruppen? Wer kann viel Text? Wer ist eher der „Ich improvisiere dann spontan“-Typ? Gibt es Anfänger? Gibt es jemanden, der IMMER den Pfarrer spielen muss? Ein gutes Stück passt zur Gruppe. Ein falsches Stück passt höchstens in den Papierkorb....