Es gibt Figuren, die betreten eine Bühne — und sofort passiert etwas. Und dann gibt es Figuren, die betreten eine Bühne — und man denkt: „Aha. Da steht jetzt jemand.“ Der Unterschied ist fast immer derselbe: Die gute Figur will etwas. Die langweilige wartet. Theater lebt nicht von Anwesenheit Eine Figur darf noch so originell gekleidet sein. Sie darf einen lustigen Dialekt haben, einen Schnauz, einen Rollkoffer oder einen emotionalen Wellensittich. Wenn sie nichts will, passiert dramaturgisch… nichts. Denn Handlung entsteht aus Wunsch. Oder noch besser: aus dem Versuch, einen Wunsch durchzusetzen. Was will die Figur? Und nein: „Sie möchte glücklich sein“ reicht nicht. Das ist zu allgemein. Eine Figur braucht etwas Konkretes: die Wohnung bekommen die Wahrheit verheimlichen geliebt werden die Kontrolle behalten Geld auftreiben nicht auffliegen endlich ernst genommen werden den Hund zurückholen die Scheidung verhindern den Nachbarn loswerden den letzten Nussg...
Die Suche nach dem perfekten Theaterstück ist ein bisschen wie Online-Dating. Auf dem Papier klingt alles fantastisch — und nach der ersten Probe merkt man: „Oh. Das wird schwierig.“ Damit aus der Premiere keine gruppentherapeutische Krisensitzung wird, lohnt es sich, bei der Stückwahl ein paar Dinge ehrlich anzuschauen. 1. Die wichtigste Frage zuerst: Wer spielt überhaupt mit? Nicht: „Was würden wir gern spielen?“ Sondern: „Wer steht tatsächlich jede Vorstellung auf der Bühne?“ Denn zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft: drei Grippefälle, zwei Ferienabwesenheiten, ein beleidigter Souffleur und ein Hauptdarsteller, der plötzlich lieber Wohnmobile restauriert. Darum: Wie viele Frauen und Männer habt ihr? Welche Altersgruppen? Wer kann viel Text? Wer ist eher der „Ich improvisiere dann spontan“-Typ? Gibt es Anfänger? Gibt es jemanden, der IMMER den Pfarrer spielen muss? Ein gutes Stück passt zur Gruppe. Ein falsches Stück passt höchstens in den Papierkorb....